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10 Gründe, die den Commodore 64 zu einem besonderen Computer machten

Zuletzt geändert: 03.05.2022 | Tags: , , |


Bild: giphy.com

Der Commodore 64 (C64) kam 1982 zu einer Zeit auf den Markt, als der Personal Computer noch in den Kinderschuhen steckte.
Tatsächlich war es damals ein ziemliches Privileg, einen Computer zu Hause zu haben. Die Erleichterung des Zugangs zur Computern gilt dabei als das größte Vermächtnis des C64. In den 1970er Jahren durchlief die Computertechnologie einen stürmischen Wandel, als sie nicht mehr in erster Linie Geschäftskunden bediente, sondern Produkte für Privatanwender entwickelte. Videospiele und Personal Computer kamen etwa zur gleichen Zeit auf den Markt und boten den Endanwendern neue Möglichkeiten mit der Technologie zu interagieren. Aber Commodore veränderte alles und sein Kultprodukt, der Commodore 64, war aus unzähligen Gründen besonders. Hier sind 10 Gründe warum der C64 so besonders war.


1. Die Zeit war reif für einen Commodore 64

Die Zeit war reif für ein Unternehmen, das den Markt mit einem innovativen Produkt für die breite Masse im Sturm erobern würde und genau das hat die Firma "Commodore" getan. Als Apple, Radio Shack und IBM in den späten 70er und frühen 80er Jahren Personal Computer auf den Markt brachten, konnten sich auch erste Familien zum ersten Mal einen Computer für den Heimgebrauch leisten.

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Bild: Commodore 64 (Brotkasten), 1541 Floppylaufwerk, Datasette, Joysticks, SCART-Anschlusskabel, ROM Cartridge

Dem Computerenthusiasten wurden zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für Personal Computer geboten, z.B. für die Buchhaltung, Textverarbeitung und Videospiele. Zur gleichen Zeit, als diese Geräte auf den Markt kamen, entwickelte sich die Technologie rasant weiter, so dass die Computer immer leistungsfähiger und preiswerter wurden. Angesichts der hohen Kosten der bereits etablierten Computerhardware war auf dem Markt jedoch noch Platz für ein preisgünstiges Gerät, das die Nachfrage befriedigen konnte.

2. Der Commodore 64 machte Heimcomputer erschwinglich

Obwohl Commodore bereits seit einigen Jahrzehnten ein etabliertes Technologieunternehmen war, traf Geschäftsführer Jack Tramiel viele Entscheidungen, die zu einer Senkung der Herstellungskosten führten. Darunter auch der Zukauf des Chipherstellers "MOS Technology, Inc". Mit einem eigenen Chipherstellers im Portfolio, konnte die Firma Commodore den C64 preisgünstig produzieren und schaffte es somit, dass der C64 mit mehr als 12,5 Millionen Exemplaren laut Guinness Buch zum meistverkauften Heimcomputer aller Zeiten wurde.

Zum Zeitpunkt der Einführung im September 1982 lag der Einzelhandelspreis des C64 auf dem Markt amerikanischen bei 595 US$. Anfang 1983 zum Startpreis von 1.495 DM (in heutiger Kaufkraft 1.549 €) kam der C64 auch auf den deutschen Markt. Bereits 1983 sank der Preis auf 698 DM.

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Bild: Neckermann Katalog 1985, Preise 1985

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Bild: Quelle Katalog 1985, Preise 1985

Der Preis beinhaltete nur den C64 selbst ohne weiteres Zubehör wie eine Datasette, ein 1541 Floppylaufwerk oder einen Monitor. Darüber hinaus fiel der Verkaufspreis des C64 aufgrund sinkender Kosten für Komponenten bis Anfang der 90er Jahre auf rund 280 DM. Das bedeutete, dass jeder, der einen C64 kaufte, die Möglichkeit haben sollte, zusätzliche Laufwerke oder andere Peripheriegeräte zu kaufen, die seinen Bedürfnissen entsprachen.

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Bild: Quelle Katalog 1990, Preise 1990

3. Personal Computer wurden zu einem festen Bestandteil eines Haushalts

Nicht lange vor der Einführung des C64 waren ganze Rechenzentren die Norm, die oft komplette Etagen großer Organisationen belegten und kosteten dabei leicht den Gegenwert des Jahresgehalts eines mittleren Managers. Früher hatten Computer Astronauten in den Weltraum geschickt oder durch Berechnungen geholfen, Krankheiten zu heilen. Doch jetzt konnten sie Kindern bei den Hausaufgaben helfen und wurden auch Teil der Freizeitgestaltung.

Da Commodore die schlaue Entscheidung traf, den C64 auch in Kaufhäusern statt nur in Elektronikfachgeschäften zu verkaufen, konnten sich auch Durchschnittsfamilien somit einen Computer leisten. Der C64 war der Personal Computer für die breite Masse.
In Deutschland wurde der C64 neben den damals großen "Katalog"-Versandhäusern wie "Quelle", "Otto" oder "Neckermann" ab 1987 auch im Discounter "ALDI" für 299 DM angeboten.

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Bild: Hier führt MacGyver gerade eine Analyse am C64 durch (Staffel 1, Episode 15, "Spitzel aus den eigenen Reihen" ("The Enemy Within"), 1986)

4. Der Commodore 64 brachte Familien zusammen

Eine weitere monumentale Entscheidung von Commodore bestand darin, dass der C64 (statt an einen Monitor) auch an einen Standard-Farbfernseher angeschlossen werden konnte. Eine weitere, wahrscheinlich unbeabsichtigte Folge dieser Entwicklung war, dass so Familien im Computerzeitalter näher zusammengeführt wurden. In den frühen 1980er Jahren war es üblich, dass es nur einen Fernseher im Haushalt gab. Somit war der Fernseher im Wohnzimmer oft der einzige Fernseher im Haus an den man seinen C64 anschließen konnte.

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Bild: Hier wird gerade Wizard Of Wor auf einem schwarz/weiß Fernseher gespielt (1988)

Dies zwang viele Familien dazu, sich einen Computer zu teilen und gemeinsam zu lernen, wie man ihn benutzt. Da der C64 selbst über zwei Joystickanschlüsse verfügte, bedeutete das Anstecken wenigstens eines Joysticks stundenlanges Videospielvergnügen vor dem Familienfernseher. Das führte zwar zu unzähligen Streitereien und schürte die womöglich die Rivalität unter Geschwistern, bot aber auch die Möglichkeit, dass die ganze Familie sogar vorm Fernsehen näher zusammenrückte.

5. Familien erhielten Zugang zu Heimvideospielen

Anfangs kostete das separat erhältliche "VC-1541 Diskettenlaufwerk" (Floppy)" beinahe soviel wie ein C64 selbst. Daher war es bereits bei der Entwicklung des C64 eine kluge Entscheidung einen Anschluss für ein Kassettenlaufwerk ("Datasette") vorzusehen, mit dem eine wesentlich günstigere "Commodore 1530" Datasette angeschlossen werden konnte. Mit der Einführung des Atari 2600 eroberten Videospielkonsolen die Unterhaltungselektronikszene im Sturm und wurden über mehrere Jahre hinweg zu einem Muss für Millionen von Kindern als Weihnachtsgeschenk.

 
Bild: tenor.com

Durch den Einbau eines Steckplatzes für Datasetten war der C64 nicht nur ein kompetenter Heimcomputer für Textverarbeitung und Buchhaltung, sondern konnte auch mit den aufkommenden Videospielen umgehen. Dank eines Farbspektrums von 16 Farben und einen damals astronomischen Speicher von 64 kB konnten auch für die Zeit anspruchsvollte Spieletitel gezockt werden. Damit entfiel für Eltern die Notwendigkeit, Geld sowohl für einen Computer als auch eine Videospielkonsole oder die Spielhalle auzugeben. Man brauchte nur einen oder zwei Joysticks und schon war das Gerät einsatzbereit. Spielkassetten für den C64 wurden von vielen Publishern vertrieben, die auch selbst Spiele für den C64 entwickelten und Spiele von anderen Systemen auf den Commodore portierten. Der C64 erwies sich als perfekter Begleiter für alle Kinder, die in den 1980er Jahren aufwuchsen.

6. Der C64 machte viele Kinder zum ersten Mal mit Videospielen vertraut

Wie bereits erwähnt, war der C64 für Schlüsselkinder unverzichtbar, um sich die Zeit zu vertreiben, bis die Eltern von der Arbeit nach Hause kamen. Doch viele dieser Kinder hatten außer bei den münzbetriebenen Automatenspielen, die in der örtlichen Pizzeria allgegenwärtig waren, kaum Erfahrung mit Videospielen. Das bedeutete, dass die Kinder nur die Spiele mit den größten Namen spielten, die von großen Unternehmen herausgegeben wurden, die die Herstellung von teurer Elektronik für den kommerziellen Verkauf in großem Maßstab finanzieren konnten.

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Bild: Auswahl verschiedener C64-Spieletitel, sowohl auf 5,25'' Disketten, Kassetten oder ROM Cartridges (Module)

Die BBC stellte fest, dass der C64 den Kindern ermöglichte, Titel von unabhängigen Publishern zu entdecken und sogar Kassetten bzw. Disketten mit Freunden zu tauschen, um unbekannte Titel zu spielen und zu erforschen (ohne dabei eine Tasche voller Kleingeld in einen Spieleautomaten in einem verrauchten Familienrestaurant zu stecken). In der Ruhe des eigenen Heims konnten sie Action- und Arcade-Spiele, sowie Strategie- und sogar Rollenspiele spielen, bis sie müde wurden oder die Abendnachrichten anfingen und der Fernseher im Wohnzimmer für die Eltern wieder "frei" wurde.

Der C64 führte eine Generation in die digitale Welt ein, die heutzutage zu den Schöpfern und Innovatoren vieler Technologien heranwuchs, die wir tagtäglich nutzen. Dafür nimmt er einen besonderen Platz ein.

7. Der C64 bot viele Upgrades und Erweiterungsmöglichkeiten

Der C64 wurde zwar nur mit einem Netzkabel ausgeliefert, jedoch gab es schon beim Verkaufsstart zahlreiche Peripheriegeräte und Erweiterungen. Zur Grundausstattung gehörten unter anderem ein Kassettenlaufwerk und Joysticks. Das 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk "1541" folgte meist etwas später. Darüber hinaus entschieden sich viele für einen Drucker, den es als Nadeldrucker, Typenraddrucker oder Plotter gab.
Der C64 verfügte über folgende Anschlussmöglichkeiten: bis zu zwei Joysticks, eine ROM-Cartridge, ein RF-Videoausgang, ein A/V-Composite-Videoausgang, ein serieller Bus, ein Datenkassettenanschluss und ein Benutzeranschluss ("User Port") für den Anschluss von Druckern der Marke Commodore und anderen Peripheriegeräten. Für Drucker anderer Hersteller war ein Adapter erforderlich, um den Benutzeranschluss nutzen zu können. Commodore produzierte nicht nur typisches Zubehör, sondern auch viele einzigartige und neuartige Geräte, um die Möglichkeiten des C64 zu erweitern.

Ein solches interessantes Zusatzgerät ist der Commodore Music Maker, eine Kunststoffschale mit Klaviertasten, die auf die C64 Tastatur gelegt wird, um bei Tastendruck Musik zu erzeugen. Auf einer ROM-Cartridge befand sich eine Musiksoftware, die das Abspielen von Musik mit einem dreistimmigen, vier Oktaven umfassenden Synthesizer ermöglichte. Commodore bot darüber hinaus auch eine Maus, ein Modem, einen Monitor, eine Festplatte und vieles mehr an, während Drittanbieter den C64 für Dutzende von anderen Anwendungen optimierten, darunter ein sehr frühes Navigationssystem für Autos. Für die damalige Zeit schienen der Fantasie nur die Grenzen des Prozessors und des Arbeitsspeichers Grenzen zu setzen, doch der C64 erwies sich als vielseitige und fähige Maschine mit schier endlosen Möglichkeiten für Upgrades.

8. BASIC-Programmierung ist leicht zu erlernen

Heutzutage ist Programmieren ein aktuelles Thema und ein potenziell lukrativer Berufsweg. Fast alles im modernen Zeitalter nutzt Code, der in Chips und Speicher eingebettet ist, in komplexen, einfachen und alltäglichen Geräten. Aber in den späten 70er und frühen 80er Jahren war Computercode die Domäne der Nerds und Intelligenzbestien. Er war buchstäblich eine Fremdsprache, schwer zu verstehen und in der Populärkultur ziemlich unbekannt. Als jedoch Personalcomputer auf dem Vormarsch waren und immer mehr Kinder und Erwachsene zu Hause, auf der Arbeit oder in der Schule mit Computern in Berührung kamen, wuchs das Bedürfnis und der Wunsch, etwas über Code zu lernen.

Der C64 lief, wie viele andere zeitgenössische Maschinen, mit einem Code, der als Beginners' All-Purpose Symbolic Instruction Code (BASIC) bekannt war. Menschen auf der ganzen Welt tauchten in eine Welt aus Einsen und Nullen ein, in der Bits und Bytes zum alltäglichen Wortschatz gehörten. Obwohl BASIC eine Computerprogrammiersprache ist und Programme mit einem gewissen Maß an Fachwissen erstellt werden können, müssen die Benutzer die grundlegenden Befehle und die Eingabe von Codezeilen lernen und können damit relativ leicht einfache Programme erstellen.

In den Computerzeitschriften jener Zeit wurden oft Programme abgedruckt, die die Benutzer in ihren C64 eingeben konnten, um ein Programm auszuführen - eine neue Übung mit der Einführung des Heimcomputers. BASIC blieb die Grundlage des C64 während seiner gesamten Laufzeit von 1982 bis 1994.

9. Für den C64 war jede Menge Software verfügbar

Da der Computer zu einem niedrigen Preis auf den Markt kam, bestand eine große Nachfrage nach Software. Denn was nützt ein Computer ohne Software, die auf ihm läuft? Commodore veröffentlichte eine Fülle von Titeln, die sich an verschiedene Altersgruppen richtete. Da die BASIC-Programmierung auf dem Markt bereits weit verbreitet war, stürzten sich zahlreiche Entwickler darauf, um die Nachfrage zu befriedigen.

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Bild: Quelle Katalog 1986, verschiedene Softwaretitel von "Data Becker"

Während der 12-jährigen Produktionszeit wurden schätzungsweise 10.000 Softwaretitel für den C64 geschrieben. Ähnlich wie bei einem modernen App-Store gab es keine Grenzen für die Auswahl an Spielen, die auf dem C64 laufen konnten, obwohl diese Titel in der Regel eine physische Diskette oder eine Kassette benötigten, um in den Speicher geladen zu werden. Commodore-Spiele wurden in Einzelhandels- und Fachgeschäften oft zusammen mit der Hardware verkauft. Die Versandhauskataloge wie der "Quelle-Katalog" trugen hier auch verstärkt zur Verbreitung bei, da sich die Titel gerne aus dem Katalog ausschneiden und auf den Wunschzettel für das Christkind aufkleben ließen.

10. Der C64 wird immer noch von treuen Fans unterstützt

Als die Produktion des C64 im Jahr 1994 eingestellt wurde, gab es Millionen von Geräten in Haushalten in aller Welt. Sie waren treue Arbeitstiere, die Berechnungen und Kalkulationen durchführten, Bilder und Töne für Videospiele, digitale Musik, Animationen und vieles mehr wiedergaben. Wenn etwas über ein Jahrzehnt lang in großen Mengen für den Verbrauchermarkt produziert wird, ist es nicht mehr nur eine nützliche Maschine. An diesem Punkt tritt es in die Popkultur ein und wird mehr als die Summe seiner Teile.

Die Fans des C64 sind erwachsen geworden und zu moderneren bzw. leistungsfähigeren Geräten übergegangen, haben aber ihren treuen 64kB-Begleiter nicht vergessen. So haben einige Leute nie aufgehört, ihn zu benutzen, während andere ihn lediglich in den hinteren Teil eines Schranks stellten, wo er heute noch schlummert. Doch nach dem Beginn des neuen Jahrtausends setzte die Sehnsucht nach Nostalgie ein und das Interesse an der älteren Hardware aus dem frühen Computerzeitalter lebte wieder auf.

Im Internet gibt es viele Archive mit C64-Software und C64-Spielen, die täglich von unzähligen Benutzern erweitert werden. Zusätzlich zur Pflege dieser Webarchive haben andere Unternehmen den C64 in verschiedenen Formaten neu aufgelegt, wie z.B. den THEC64, den C64 Reloaded MK2 oder den Ultimate 64, die nahezu identisch mit dem Original laufen. Der C64 hat einen so tiefen Eindruck in der Öffentlichkeit hinterlassen, dass er auch in den kommenden Jahren nicht in Vergessenheit geraten wird.

- Auf Youtube gibt es massenweise "C64 Let's Plays" und "C64 Longplays" alter C64 Spiele
und sogar Reviews von Diskettenmagazinen, wie der "Magic Disk" oder der "Game On".

- Es gibt Bücher zum selbst Nachdrucken: https://pickledlight.blogspot.com/p/commodore-64-guides.html

- Regen Austausch über alles zum Commodore 64 gibt es über das wohl größte und bekannteste deutschsprachige Forum: https://www.forum64.de/




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