Big Box PC Games sammeln: die Faszination an alten Schachteln
Update: 06.09.2026 | Erstellt: 27.08.2026 von creopard

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Es sammeln sich immer irgendwie Dinge an, oder?
Ob Panini-Bilder, Pokemons, Schallplatten, Stofftiere, Autos, Star Wars Spielzeug, Fortnite Skins: so ziemlich jeder Mensch sammelt gerne etwas. Das Sammeln von nicht lebensnotwendigen Dingen lässt sich nur mit Leidenschaft und den damit verbundenen Emotionen erklären.
Wie die meisten der Generation "Xennial" verbinde auch ich viele positive Erinnerungen mit den Computerspielen aus der Jugendzeit. Was würde sich als Sammelgebiet also besser eignen als Computerspiele aus den 1980er und 1990er Jahren, die noch dazu in großen kunstvoll gestalteten Pappkartons verkauft wurden?
Ich sammle sogenannte Big Box Games für PC und Commodore 64. Stellt sich heraus: mit dem Thema bin ich nicht alleine. Dieses Sammelgebiet bedient eine komplette Subkultur, die dem zugegebenermaßen sehr nerdig-nieschigen Hobby der "Big Box Spiele" frönt.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Big Box Spiele?
- Warum Big Boxen? Die Faszination an alten Schachteln!
- Wie bin ich zu Big Box Computerspielen gekommen?
- Seit wann sammle ich bewusst?
- Welche Big Box Spiele sammle ich generell?
- Wie behält man bei eigenen Sammlung den Überblick?
- Neuauflagen, die als Big Box veröffentlicht werden?
- Ausblick und Linksammlung
1. Was sind Big Box Games?
In einer Zeit vor dem Internet wurden Computerspiele in größeren Pappschachteln verkauft. In so einer "Big Box" befand sich der Datenträger mit dem eigentlichen Spiel (meist 3,5'' bzw. 5,25'' Disketten oder CDs), Handbücher und Begleitmaterialien. Größentechnisch rangieren sie in etwa zwischen Kartonverpackungen für Frühstücksmüslis und Cornflakes.
Ab Anfang/Mitte der 1990er Jahre wurden Big Boxen für PC-Spiele erst richtig populär. Davor gab es vor allem in den 1980er Jahren im C64-Bereich nur diverse uneinheitliche Umverpackungen oder Kassettenhüllen.
Noch vor der Ära der DVD-Hüllen in den 2000er Jahren und den heutigen rein digitalen Downloads waren die Kartonverpackungen lange Zeit der Standard. Heutzutage haben sie "nur noch" Sammlerwert. Jedoch sind gut erhaltene Big Boxen bei Retro-Fans sehr beliebt und je nach Spiel auch gerne etwas teurer.
2. Warum Big Boxen? Die Faszination an alten Schachteln!

Bild: Schachteln von Schokozigaretten, Kaufmannsladen Miniaturverpackungen und Big Box Regal
Ein besonderer Reiz (nicht nur für mich) scheint generell das Sammeln von rechteckigen Aufbewahrungsbehältern zu sein.
Als Kind noch in der Form von Miniatur-Faltschachteln für den eigenen Kaufladen über Schokozigaretten und deren Umverpackungen bis hin zu Pappschachteln für Computerspiele.
Sich heute noch Big Box Spiele zuzulegen ist also eine rein emotionale Entscheidung. Jüngere Gamer, die Spiele nur als digitalen Download kennen, haben keinen Bedarf und sehen wohl auch wenig Sinn darin, sich eine platzfressende Verkaufsverpackung ins Regal zu stellen. Ihnen reicht wohl zurecht eine virtuelle Bibliothek, die man browsen und ein Spiel ganz einfach mit einem Klick installieren kann.
Aber...
Nicht so, wenn man es auch anders kennt. Wenn man vielleicht nach langer Suche ein Spiel buchstäblich in Händen hält, das man früher total gerne gespielt hat, schießen einem sicherlich tausende Gedanken und positive Erinnerungen durch den Kopf. Ich glaube nicht, dass der Download eines Spiels von einer Onlineplattform die gleichen Emotionen auslösen kann. Wenn man zu den Spielen aus der Ära generell keinen Bezug hat, kommt einem das vielleicht archaisch vor, da simple Downloads heute natürlich viel bequemer sind und Spiele damit einem viel breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Ich schätze nur noch masochistisch veranlagte Menschen setzen sich heute noch mit der Config.sys und der Autoexec.bat auseinander. Wem das nichts mehr sagt, der hat eine aufregende Zeit verpasst, in der beim Kauf eines PC-Spiels nicht(!) automatisch klar war, ob es auf dem eigenen Computer überhaupt läuft, ohne dass man das MS-DOS System entsprechend dafür konfiguriert hätte.
Ohne physische Boxen wäre es wie eine Bücherei, die nur PDF-Dateien im Regal stehen hat. Im Prinzip also genau das wofür "Steam/steampowered.com" steht. Bei Steam habe ich nur wenige Spiele, da ich eine Steam-Bibliothek maximal "unsexy" finde. Man hat (dank DRM) kein Eigentum mehr an den Spielen, sondern nur noch eine Nutzungslizenz. Neuere Spiele beziehe ich lieber von GOG.com, da ich mir lokal immer ein Backup der Spiele machen kann.
Selbstredend hat eine Box auch wesentlich mehr Charme: man hat etwas zum "in die Hand nehmen", zum Auspacken, zum Anschauen und zum Blättern. Und es ist dein Eigentum - was will man mehr?
"Was willst du denn mit dem alten Zeug?"
Von der Allgemeinheit wird man für dieses Hobby oft etwas belächelt. Man solle das "Altpapier" lieber brav zum Wertstoffhof fahren. Kann ich nachvollziehen, denn Briefmarkensammlungen sind natürlicher gesellschaftskonformer, einfacher zu verstauen und zu pflegen. Aber ich sehe Big Boxen als ein besonderes Kapitel der 1990er Jahre Popkultur und auch ein Stück weit als Kunstform.
Leider ist es so, dass die Ära der Spiele in Big Boxen ja lange vorbei ist. Es gibt heutzutage noch wenige Ausnahmen, normalerweise in Form von Collector-Editions zwar mit massenhaft Goodies, aber in der zugehörigen Verpackung ist dann allerdings oft nur ein Downloadcode für "Steam" enthalten.
Man merkt sofort, wo die Reise hingeht: wir drehen uns im Kreis. Du hast dann zwar die Box gekauft, aber nicht das Eigentum am Spiel erworben. Das heißt jetzt nicht, dass ich mir generell keine aktuellen Spiele zulege, aber wenn es nicht unbedingt sein muss, bleibe ich eben beim "alten Zeug". Außerdem gibt ja eine nicht zu unterschätzende Community da draußen, der daran gelegen ist, mit allerlei Patches die alten Spiele auf modernen Betriebssystemen spielbar zu halten, wie z.B. Unreal Tournament.
3. Wie bin ich zu Big Box Computerspielen gekommen?
Mein erster Kontakt mit einem Computer war Anfang 1985 mit dem Commodore 64. Eines meiner ersten Spiele auf dem C64 hieß "Beach Head", das 1985 in Deutschland direkt indiziert wurde, da es "aggressionssteigernde Eigenschaften" zu Tage fördern würde. In dem Spiel schießt man im Wesentlichen von einem Kanonenboot auf Pixelklumpen, die wie Flugzeuge aussehen. Aus heutiger Sicht natürlich ein lächerliches Szenario.
Fun Fact: "Beach Head" hat mich lustigerweise zum "offiziellen Handmodel" des Return Magazins beim Thema "40 Jahre C64" gemacht, da hier (ungefragt) ein Ausschnitt meines Fotos in der Zeitschrift verwendet wurde, wie ich diesen Titel spiele.
Im Kindesalter waren Originalverpackungen von Spielen weder erstrebenswert noch wirklich interessant. Die meisten Spiele fanden sich durch verschlungene Wege in meine Diskettenbox. Eine fehlende Anleitung war in der Regel kein Problem, da Spiele (bis auf z.B. "Silent Service" oder "The Dambusters") wenig komplex waren. Vereinzelt wurden zu Geburtstagen oder Weihnachten auch Spiele im Quelle-Katalog bestellt. Dabei handelte es sich aber meist um Compilations (also Spielesammlungen älterer Spiele), da diese natürlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis boten, wie z.B. diese Box von 1988:

Bild: Eine meiner ersten Big Boxen hieß auch genau so: die Beau Jolly "Big Box" Compilation mit 30 Spielen für den C64
Dass Eltern nicht alle Wünsche ihrer Kinder erfüllen konnten oder mochten, stellte minderjährige Computerspiele-Enthusiasten natürlich vor praktische Probleme, die dem Kauf eines Originaltitels gegenüberstanden:
- Geld: Taschengeld gab es erst als Jugendlicher.
- Eltern: Die Eltern fanden diverse Spiele nicht so toll, die man selbst schon gerne gehabt hätte.
- Verfügbarkeit bestimmter Spiele in Deutschland: Die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) war sehr fleißig bei der Bestimmung, was den Jugendlichen Schaden könnte. Aber das betraf natürlich nur den ehrlichen Käufer, der einen Titel im Handel erwerben wollte. Unter der Hand waren die "verbotenen Spiele" selbstverständlich ein Prädikat, wenn man überhaupt gewusst hat, was es verboten war.
Beispiel: Der Titel "Seafox" für den C64 wurde 1982 veröffentlicht und 1985 in Deutschland indiziert. Das hielt mich im Kindesalter nicht davon ab, den Titel trotzdem zu spielen.
Fun Fact: Meine ursprüngliche Diskettenversion von Seafox basierte auf einer gecrackten Version von 1983, in der die Schiffe in der dritten Reihe fehlten. Das machte das Spiel unfreiwillig einfacher.

Bild: Seafox für den C64 in der Cartridge-Version mit Anleitung
4. Seit wann sammle ich bewusst?
Eines der ersten Spiele auf dem PC war 1992 Commander Keen, das in einem Shareware Booklet vertrieben wurde. Gerne hätte ich auch die anderen Teile von Commander Keen gekauft, aber dass meine Eltern Geld in die USA an eine unbekannte Firma schicken stand außer Frage? Außerdem wurden in dieser Zeit die meisten Spiele aus Übersee (Mail-Order) nur in einer Art Großbrief ohne Box verschickt. Auch wäre die Chance, dass es eine Pappschachtel unbeschädigt über den Atlantik schafft mit viel Glück verbunden.

Der Harkonnen Mentat blinzelt / Dune II, Westwood
Die erste Big Box für den PC trat Anfang 1993 in mein Leben... zumindest fast. Denn für "Dune II" legte unsere Clique die sportlichen 130 DM zusammen, um einem Freund zum 13. Geburtstag ein besonderes Geschenk zu machen. Gerne hätte ich Dune II auch in der Originalverpackung gehabt, denn das Handbuch diente auch als Kopierschutzabfrage.
Mein erstes selbst gekauftes Big Box Spiel war DOOM II im Jahr 1995.
Man kann sagen, dass damit "der Damm gebrochen" war und ich mir alle wichtigen Spiele als Big Box besorgte, die noch auf meinem 486er liefen und die das Taschengeld überhaupt zuließ, wie z.B.:
- Command & Conquer + Erweiterungen
- Alarmstufe Rot + Erweiterungen
- Warcraft II
- Tie Fighter
- Jazz Jackrabbit 2
- Earthworm Jim
- Hugo (ja wirklich, damals lief das noch im Fernsehen)
- Duke Nukem 3D + Erweiterungen
- Civilization II + Erweiterungen
- GTA 1 + London 1969
- Pacific Islands
Nachdem der 486er relativ spät, also erst Ende der 1990er Jahre, einem schnelleren Pentium-System weichem musste, gesellten sich lediglich günstigere Budget-Releases zur Sammlung (hauptsächlich aus der "EA Classics" Reihe). Sie waren zwar wesentlich günstiger und die Gestaltung der Hülle war nicht so schön, aber dafür bekam man zumindest ein Handbuch und das Spiel auf dem neuesten Patchstand:
- Dungeon Keeper Gold
- Ultima 8: Pagan (ja, ich gestehe: allen Unkenrufen zum Trotz habe ich das Spiel sehr gerne gespielt, vielleicht weil es auch mein erstes Ultima der Serie war.)
- Crusader No Remorse
- Syndicate Plus
- Theme Park
- Wing Commander III
- Unreal Tournament 99 GOTY-Edition (nur 2 CDs ohne Handbuch)
Zu all diesen Titeln wurden mittlerweile die Retail-Fassungen mit schönem Coverart nachgekauft.

Bild: Zum Vergleich "Ultima VIII: Pagan" (links: EA Classics, mitte: Origin CD-Release, rechts: Origin Disketten-Release)
In den 2000er bis 2010er Jahren hat sich die Sammlung nicht wesentlich vergrößert. Erst ab etwa 2010 begann ich damit, mich auf die eher schwer zu beschaffenen Big Box Titel zu konzentrieren.
Dazu zählten unter anderem:
- Commander Keen 4, 5, 6 (PC, 1991)
- DOOM (PC, 1993)
- Wolfenstein 3D (PC, 1992) - Fun Fact: "Due to the game content, this game may not be ordered by residents of Germany."
- Spear of Destiny (PC, 1992)
- Jill of the Jungle (PC, 1992)
- Tyrian (PC, 1995)
- Nuclear War (PC, 1989)
- Mortal Kombat 1, 2, 3 (PC, 1992)
- 4D Sports Driving aka. "Stunts" (PC, 1990)
- Maniac Mansion (PC + C64)
- Seafox (C64, 1982)
- Kid Grid (C64, 1983)
- Pooyan (C64, 1983)
- Save New York (C64, 1983)
- Fort Apocalypse (C64, 1982)
- Drelbs (C64, 1984)
- River Raid (C64, 1984)
- Wizard of Wor (C64, 1982)
- "Speech Packs" für Origin-Titel wie "Privateer", "Strike Commander", "Ultima 8" (PC, 1993-1994)
Fun Fact zu den Speech Packs: Für die Spiele von Origin wie "Wing Commander: Privateer" gab es noch putzige kleinere Boxen mit jeweils drei 3,5'' Disketten, sogenannte "Speech Packs" (mit denen einige Storyline-Dialoge extra vertont wurden). Kostenpunkt 1993 etwa 37 DM, Hauptspiel 79 DM), also fast die Hälfte des Vollpreistitels. Das scheint sich wohl gelohnt zu haben, denn das Gleiche hat Origin bei "Strike Commander" und "Ultima 8" nochmal abgezogen.
Heute natürlich unvorstellbar, dass man zusätzliche Sprachausgabe eines Spiels separat verkaufen würde. Der Begriff "Shitstorm" wurde in Deutschland übrigens erst in den 2010er Jahren populär.
5. Welche Big Box Spiele sammle ich generell?
Trotz der Masse an veröffentlichen Big Boxen sammle ich nicht jeden verfügbaren Titel, sondern nur die Spiele die ich selbst gespielt habe und die mir persönlich etwas bedeuten. Darüber hinaus würde ich mich auch nicht als "Hoarder" bezeichnen, da die Sammlung aus ca. 300 Big Boxen (wie ich finde) noch recht überschaubar ist. Man vergleiche das mal mit einem Briefmarkensammler - da sind 300 Marken ja nichts! Das größte Problem beim Sammeln ist der benötigte Platzbedarf. Daher muss man sich auch einfach manchmal auf physikalische Grenzen beschränken.
Neben den herkömmlichen Big Box Titeln für PCs sammle ich auch nach wie vor C64 Schachteln. Die Verpackungen für C64 Titel sind dabei eher kleiner (Small- und Slim-Boxen) und hauptsächlich als US-Release verfügbar. Hierbei sind neben den Spielen auf Diskette auch Titel als Steckmodul ("Cartridge") begehrtes Ziel. Releases auf Kassetten finde ich eher uninteressant. Kassetten fehlt irgendwie einfach der Charme.
Wenn möglich sammle ich die deutsche Version eines Spiels, auch wenn dieses gegebenenfalls geschnitten ist. Ausnahme DOOM II (hier fehlen bei der deutschen Version die beiden Geheimlevel - Level 31/32 mit Wolfenstein-Inhalten). Ansonsten hat es mich nie gestört, wenn z.B. beim deutschen "Command & Conquer" lediglich Androiden ihr schwarzes Öl statt Blut vergossen.
Viele Sammler fokussieren sich häufig die US-Boxen als "Erstrelease" und messen diesen einen höheren Wert zu. Ich sehe das anders. Die deutschen Boxen sind zwar oft nicht so pompös wie das US Gegenstück (Klappboxen, kein 3D Relief) aber aufgrund der Häufigkeitsverteilung sind die deutschen Versionen wahrscheinlich nicht so oft verfügbar wie US-Versionen.
Ausnahme: Die Lucasarts-Adventures waren in Deutschland super populär. Vielleicht sogar beliebter als im englischsprachigen Raum, was nicht zuletzt an der grandiosen Übersetzungsarbeit von Boris Schneider-Johne gelegen haben dürfte.

Bild: Populäre LucasArts Titel, wie Monkey Island, Maniac Mansion, Day of the Tentacle, Indiana Jones, Sam & Max, Vollgas und das spätere Thimbleweed Park (2017)
Ich bin kein Fan von "Sealed"-Titeln, also noch in Original-Plastikfolie verschweißten Schachteln. Man will ja eigentlich das komplette haptische Erlebnis und nicht nur das Optische. Viele Sammler schwören auf Sealed-Ttitel. da sie entweder den ursprünglichen Zustand konservieren möchten (legitimer Grund) oder eine Schachtel als Wertanlage/Spekulationsgut ansehen (fragwürdiger Grund). Außerdem befindet man sich mit solchen Sammlungen in einer Zwickmühle. Man könnte die Packung öffnen, aber damit gleichzeitig den Wert vernichten. Es ist überhaupt fraglich, ob sich Big Boxen als Wertanlage eignen. Aktuell vielleicht ja, solange ein Markt an gleichaltrigen Interessenten vorhanden ist, aber ob die nachfolgende(n) Generation(en) überhaupt ein Interesse an einer Spiele-Pappschachtel haben, steht in den Sternen.
Selbstredend bin ich damit auch überhaupt kein Fan von "Video Game Grading". Also der kommerziellen Bewertung von möglichst originalverpackten Spielen, die dann in einer Hartplastikschale enden. Das lässt lediglich die Preise steigen, degradiert die Spiele von einem Kulturgut zur reinen Spekulationsware und verteuert letztendlich nur das eigene Hobby. Außerdem widerspricht "Grading" auch dem eigentlichen Big Box-Gedanken, dass man die Schachtel öffnen und auch den Inhalt erkunden kann. Noch dazu kann sich jeder selbst als "Grading-Institut" ausgeben.
Das bringt mich schon zum nächsten Punkt: ich bin kein "Completionist", d.h. der Inhalt muss 100% exakt mit dem übereinstimmen, was ursprünglich in der Box enthalten war. Sollten ursprüngliche Werbebeilagen, Registrierungskarten oder Disketten-Banderolen fehlen, ist das für mich nicht weiter schlimm.
Als Completionist würde ich mich höchstens im Sinne von "ich will die Spiele haben, die ich gern gespielt habe" bezeichnen. Und damit bin ich eigentlich fertig.
"Eigentlich", denn von einigen sehr frühen Spielen wie z.B. "Alley Cat"(PC, 1983) oder "Lazy Jones"(C64, 1984) gibt es meines Wissens keine Box.
In der Regel besitze ich pro Spiel nur eine Version. Das klingt zunächst einleuchtend, aber man kann ja zu einem Spiel verschiedene Releases sammeln. Das Erstrelease aus den USA, das Erstrelease in Deutschland, die Version mit Klappcover, das Re-Release inklusive Addon, die GOTY-Edition, die Collectors-Edition, usw.. Wenn man alle Releases zu allen Lieblingsspielen haben will, wird man so schnell nicht fertig.
Bis auf DOOM und die "Command & Conquer" Reihe habe ich es auch fast immer geschafft, mich auf eine Box pro Spiel zu beschränken.
Neben Big Boxen für Spiele finden sich in der Sammlung auch:
- Lösungsbücher zu diversen Spielen
- Bücher zum Spieldesign, z.B:
- "Black Book: Wolfenstein 3D"
- "Black Book DOOM"
- "The Art of Point-and-Click Adventure Games" - Level CDs:
vor dem Internet gab es haufenweise CDs mit zusätzlichen Leveln, Erweiterungen und Patches - Anwendungssoftware Big Boxen:
natürlich erschien auch kommerzielle Software im Big Box Format. So z.B. von MS-DOS bis Windows XP und zum Teil auch teure Softwarepakete wie Office 95-2000, Visual Studio, Adobe Acrobat, Autosketch, Encarta, Windows NT Server oder Softwaretitel bei denen man nicht wusste, dass es dazu eine Big Box gab, wie z.B. Winzip, Nero, Netscape Navigator oder CloneCD).
Die Sammlung beinhaltet aber im Prinzip nur die Versionen, die ohne Onlineaktivierung auskommen (Ausnahme: Windows XP.) - Hardware:
- PCs aus jeder für mich relevanten Ära: 486, AMD K6, Pentium 3, Athlon XP
- Eingabegeräte: C64-Joysticks, PC-Joysticks (Sidewinder), Gravis Gamepads, USB-Mäuse (die noch PS/2 kompatibel sind!)
- Diverse Retro-Adapter: Necroware Gameport Adapter, Necroware PS/2 to Serial Mouse Adapter, HIDman, Kung Fu Flash für C64
Was wäre meine persönliche Big Box TOP 5?

Bild: Meine TOP 5
(Klick zum Vergrößern)
- Die "Liebste": Selbstverständlich "Commander Keen in Goodbye Galaxy" als das meistgespielte Spiel in Kindheitstagen einfach viel zu viel gesuchtet.
- Die "Häufigste": Am meisten Vertreten ist hier die "Command & Conquer" Reihe und dabei hervorzuheben die britische Gedenkausgabe (Commemorative Edition) mit Dune 2 und dem Soundtrack auf einer eigenen CD.
- Die "Größte": Groß im Sinne von "gibt es eigentlich eher nur in kleineren Boxen": DOOM im australisches Release von Manaccom. Wahrscheinlich das einzige Release von DOOM in einer Big Box neben der Shareware-Versionen. Die Mailorder-Releases haben kleinere Schachteln.
- Die "Faszinierendste": In den 1990er Jahren wäre es in Deutschland nahezu unmöglich gewesen, dieses Spiel aufgrund seiner Indizierung und Beschlagnahmung in Händen zu halten. Über 25 Jahre später ist das dank der "Sozialadäquanzklausel" alles nicht mehr so schlimm. Diese Box beinhaltet praktischerweise auch gleich das offizielle "Hint book", in dem man unter anderem die Wege der Geheimgänge nachvollziehen kann.
- Die "Seltenste": Unerwartet kommt hier die Anwendungssoftware "Netscape Navigator" 3.01 in der deutschen Version für Windows NT/95. Englische Fassungen des Netscape Navigatos können einem schon häufiger begegnen, aber die deutsche Version ist schon ein besonderes Bonbon.
- Bonus C64, die "Emotionalste": Von "Beach Head" gibt es 2 verschiedene Small Boxen (US-Releases). Eine mit C64-Screenshots auf Rückseite (rechts unten) und noch eine C64 Version mit einem einzelnen Atari Screenshot. Beach Head war ja schon immer ein besonderes Spiel für mich.
6. Wie behält man bei eigenen Sammlung den Überblick?
Für Big Boxen gibt es keinen Michel-Katalog wie bei Briefmarken, in dem man nachschlagen könnte, welche Big Boxen wann und wo für wie viel veröffentlicht wurden, um diese mit der eigenen Sammlung abzugleichen. Dafür ist das Sammelgebiet wohl zu jung, aber es gibt online mittlerweile verschiedene Anlaufstellen.
Fotos sind bei "Mobygames" oft hilfreich, aber Einträge zu unterschiedlichen Versionen sind bei der deutschen Online Games Datenbank "OGDB.EU" dafür häufig umfassender, was die Einordnung und Prüfung auf Vollständigkeit erleichtert (falls man darauf wert legt).
Da meine eigene Sammlung noch überschaubar ist, benötige ich keine Software zur Verwaltung. Es reicht noch aus, einfach über die Regale zu schweifen, um zu sehen was da ist. Jeder hat wohl sein eigenes System, um in der eigenen Sammlung einigermaßen den Überblick zu behalten. Dabei hat es sich in meinem Fall so ergeben, dass ich die Big Boxen nach dem Publisher sortiere, da ich damit am schnellsten zugreifen kann. So ziemlich alle Verpackungen haben ein Firmenlogo vom Hersteller bzw. des Publishers auf dem Schachelrücken, so dass dieses schnell ins Auge sticht, wenn alle in einer Reihe stehen. So gibt es einen Bereich für LucasArts, Origin, Interplay, Westwood, Id Software, Blizzard, Microprose, Bullfrog, Microsoft, uvm.
Der ideale Zustand der Spiele

Bild: Diese C64 Diskette von ca 1985 mit Sicherheitskopien ist heute immer noch lesbar.
4 Spiele: "Kid Grid", "Wizard of Wor", Pac Man", "Ski" mit vereinfachter Ladeanweisung, LOAD"K*",8
Auch wenn es nicht immer möglich ist, versuche ich die Boxen möglichst komplett zu bekommen. Gelegentlich muss man sich für weniger populäre oder verfügbare Titel, die Sachen einzeln zusammensuchen. So kommt man z.B. an die Leerbox und das Handbuch, aber Disketten fehlen in der Schachtel. An die kommt man vielleicht erst Jahre später. Ob die Disketten dabei noch funktionieren ist eher zweitrangig.
Schachteln mit kleineren Blessuren oder Rissen (meist an der Öffnung) sind aufgrunde des Alters eigentlich unvermeidbar, aber ich vermeide Exemplare, die zerquetscht, angemalt, ausgeblichen oder generell irreparabel sind. Es gibt mittlerweile findige Methoden vom Bügeleisen bis zum Schimmelspray um Boxen zu restaurieren. Aufkleber und Preisschilder werden von der Verpackung nicht entfernt, da sie mit ihrem eigenen Charme den damaligen Zeitgeist zusätzlich untermalen. Es ist auch immer schön zu sehen, wenn sich noch die Originalrechnung vom ursprünglichen Besitzer in eine Box verirrt hat.
Von noch lesbaren Disketten (und auch CDs) wird ein sogenanntes Diskettenimage angefertigt, so dass auch die Datumsangaben der Originaldateien erhalten bleiben. Oft sind 3,5'' Disketten erstaunlicherweise noch gut lesbar, außer bei Titeln vom Publisher Origin - das kann jetzt Zufall sein, aber hier habe ich die meisten Komplettausfälle. Meiner Erfahrung nach sind die viel älteren C64 Floppy-Disketten (vielleicht aufgrund der geringeren Datendichte) besser lesbar als die PC-Disketten. Das variiert aber wahrscheinlich sehr stark an den Lagerbedingungen der Datenträger über die Jahrzente.
Die meisten PC-Spiele auf CD-ROM haben in der Big Box Ära noch keinen Kopierschutz (wie "Safedisc", "Securom"), was die Archivierung der Datenträger natürlich erleichtert.
Lagerung von Papier und Datenträgern
Die Aufbewahrung der meisten Titel erfolgt in passenden Plastikboxen, die vor Staub und neugierigen Fingern schützen. Darüber hinaus ist auch ein Lagerort ohne direkte Sonneneinstrahlung wichtig, damit die Außenverpackung durch UV-Strahlung nicht ausbleicht. Dieser Punkt wird oft unterschätzt, besonders wenn das Sonnenlicht über den Tag in einem Zimmer umherwandert. Das kann sich über Jahre zum schleichenden Problem werden.
Die Lagerung im feuchten Keller oder auf dem warmen Dachboden ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Wenn man es ganz richtig machen möchte, hier ein Tipp vom deutschen Bundesarchiv: Dieses gibt bei der "Anforderungen an die Aufbewahrung von Bibliotheks- und Archivgut in Papierform" eine relative Luftfeuchte von 30-45% bei einer Temperatur von 14-18°C an. Es gibt sogar eine eigene DIN-Norm dafür (DIN 11799). Ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60% und darüber besteht übrigens Schimmelbildungsgefahr. Ob man jetzt allerdings jedes Mal eine Jacke (oder noch besser einen Kittel) anziehen will, um seine Boxen in eigenen Archiv zu "besuchen", muss jeder für sich selbst entscheiden.
7. Neuauflagen, die als Big Box veröffentlicht werden?
Dem Thema Neuauflagen stehe ich offen gegenüber, aber das häufigste Problem dabei ist der mitgelieferte Steam-Zwang (siehe oben) und dass die Verpackung nur noch vollgestopft wird mit sinnlosen Beilagen, Sammelkarten, Figuren, Badges (alles was sich billig herstellen lässt), damit nicht auffällt, dass das eigentliche Spiel auf dem Datenträger und eine gedruckte Anleitung fehlt.
Negativbeispiele für neuere Big Box Releases:
- "Thimbleweed Park" ist ein wirklich tolles Point'n'Click-Spiel mit nur ca. 1 GB Dateigröße. Das "Thimbleweed Park Collector's Game Box"-Release von Fangamer hätte in der Box locker auf eine DVD oder einen USB-Stick gepasst, statt nur einen Steam-Code beizulegen.
- "Quake II Ultimate Edition" von Limited Run Games: Man bekommt eine riesige Box mit einem Downloadcode darin!
Es erleichtert wahrscheinlich den Multiplayermodus, aber vom selbst festgelegten Motto "forever physical" ist das maximal entfernt.
Positivbeispiele für neuere Big Box Releases:
- Gerade im C64-Umfeld gibt es immer wieder Spiele in Kartonverpackung in größerer Auflage: neben Diskette (Sam's Journey) auch als Modul-Version (Planet X2.1).
- John Romero hat mit SIGIL + SIGIL II für sich die perfekte Nische gefunden. Er nimmt einen Klassiker wie DOOM, erstellt ein paar Level dafür und verkauft diese an die Fans mit netter Verpackung. In seiner Autobiographie "Doom guy life in first person" bezeichnet er sich ja selbst als Big Box Sammler. Deshalb wollte er sein SIGIL auch in einer Big Box veröffentlichen und die Dateien direkt auf einem Datenträger mitliefern. Als Multimillionär kann er es sich locker leisten, die SIGIL Level-Pakete kostenlos zum Download anzubieten und trotzdem reißen die Leute ihm die Big Boxen förmlich aus den Händen.
Glücklicherweise konnte ich im Vorbestellzeitraum am 02.11.2023 eine SIGIL II Box mit der 3,5'' Diskettenversion ergattern, die auf 166 Einheiten limitiert war.
Inoffizielle Fan-Boxen:
- Für reine Download-Spiele gab es nie eine Box. Daher haben sich Enthusiasten hingesetzt und mit viel Herzblut eine inoffizielle Box in einem eigenen Design (oft zum Selbstausdrucken) erstellt.
- Diese inoffiziellen Anfertigungen schaffen es natürlich nicht in den Handel und man bekommt sie nur in diversen Communities. Für den privaten Gebrauch wird es realistisch gesehen keinen Publisher interessieren, dass auf einer selbstgemachten Box ein Artwork in abgewandelter Form wiederverwendet wird.
Repro-Boxen:
- Im ganz trüben Wasser fischen die Anbieter von sogenannten "Repro-Boxen", also täuschend echt aussehende Reproduktionen von Originalboxen.
- Weil die Originalversion bestimmter Spiele mittlerweile viel zu teuer ist oder man nur noch die Datenträger zum Spiel zur Hand hat, bekommen sie über diesen Weg zumindest ein neues Heim.
- Ganz unkritisch sind die Repro-Boxen aber nicht, da sie auch gerne mit dem Original verwechselt werden können. Zwar fügen einige Händler an der Rückseite der Verpackung fairerweise einen Sticker mit "Repro" an, aber das heißt nicht, dass es alle so machen.
8. Ausblick und Linksammlung
Jetzt erst mit dem Sammeln zu starten ist sicherlich nicht einfacher geworden. Da die Spiele als Sammelobjekt mittlerweile im Mainstream angekommen sind, versprechen hohe Preise ein teures Hobby. Im Gegensatz zu digitalen Spielen besitzen Big Box Spiele, wie alte Gemälde oder andere nicht mehr produzierte Sammelobjekte eine endliche Masse. Es handelt sich zwar nicht um Unikate, aber trotzdem ist eine generelle Wertsteigerung möglich. Aber das ist alles spekulativ. Wer versucht, damit reich zu werden, hat meines Erachtens das falsche Sammelgebiet gewählt.
Die generelle Altersstruktur der Sammler liegt höchstwahrscheinlich bei 40+. Möglich, dass die Preise noch einige Zeit anziehen, bis vielleicht in einigen Jahren eine Saturierung eintreten wird. Ab da könnten ältere Semester sich wieder von ihrer Sammlung trennen oder sie verkleinern.
Das Interesse der nächsten Generation an diesem Sammelgebiet, die nicht mit Big Boxen aufgewachsen sind, ist höchst fraglich. Aktuell wird eine Generation herangezogen, die alles nur noch im Abo mieten oder streamen kann. Nach Schallplatten, CDs und Blurays dürstet diese Generation sicherlich nicht. Vielleicht erreicht man hier über das "innere Kind" mit Spielen noch eine Ausnahme und erweckt damit das Interesse neu. Wenn kein Interesse vorhanden ist, dann haben die alten Pappschachteln de facto auch kein Wert mehr (sowohl materiell als auch immateriell). Es ist fraglich, ob sie später irgendwann ein echtes Museum haben will. wobei ich Big Boxen schon ein Stück weit als Kunstobjekte sehe. Vielleicht nicht im Mainstream, aber definitiv in der Nische.
In dieser Hinsicht möchte ich die Leser gerne dazu ermuntern, über ihre eigenen Schätze auch im weiteren Bekanntenkreis zu sprechen und diese nahbar zu machen. Vielleicht kann man damit auch den Nachwuchs begeistern. Das klappt natürlich am besten mit Spielen die nicht verschweißt sind. Kombiniert man alte Spiele mit entsprechend alten PC-Systemen, zeigt sich, dass viele Spiele grafisch zwar einfacher aussehen, aber dafür automatisch den Fokus mehr auf den Spielspaß legen.
Wo kann man sich generell informieren?
- Bigboxcollection.com in cooler 3D-Ansicht von Benjamin Wimmer
- PC-KING.NL von Anne Bras
- OGDB.eu - deutsche Online Games Datenbank, mit vielen Detailinformationen und Fotos
- Schachteltreff-Gruppe: bei Facebook + Discord-Channel
- fabiensanglard.net - Blogbeitrag: Good Vibrations
- Retrospieleclub - das "bespielbare Museum" in Hamburg
- Mobygames.com - Datenbank ähnlich wie ogdb.eu
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