10 Gründe, die den Commodore 64 zu einem besonderen Computer machten

Zuletzt aktualisiert: 24.11.2022

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Wie die erste Liebe oder das erste Auto kann auch der erste Computer einen besonderen Platz im Herzen eines jungen Menschen einnehmen. Für Millionen von Kindern, die in den 1980er Jahren aufwuchsen, war wie auch in meinem Fall dieser erste Computer der Commodore 64.
Vierzig Jahre später ist die Begeisterung für den ersten richtigen Homecomputer nach wie vor ungebrochen.

Die ersten zaghaften Berührungspunkte mit einem C64 hatte ich, als mein Vater eben jenen zusammen mit einem Diskettenlaufwerk ("Commodore 1541 Floppy"), einem Grünmonitor von "Zenith-Data-Systems" ("ZVM-123"), einem Joystick und ein paar 5,25'' Disketten mit nach Hause brachte, um damit zu arbeiten.

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Bild: Beach Head (C64)

Glücklicherweise waren neben "ernster Anwendungssoftware" auch ein paar Disketten mit Spielen dabei.

Trivia: Oben im Foto von 1985 ist auf dem Monitor das Spiel "Beach Head" (Longplay auf Youtube) zu sehen, welches übrigens noch im August des gleichen Jahres indiziert wurde und bis 2010 auf dem Index stand, da ihm "aggressionssteigernde Eigenschaften" attestiert wurden. Es gilt damit als eines der ersten indizierten Computerspiele in Deutschland überhaupt.
Auf der Zeichnung im Hintergrund ist übrigens "Garwor" aus "Wizard of Wor" zu sehen. Man kann also sagen, dass der Autor dieser Zeilen damals nachhaltig beeindruckt vom Spielgeschehen war...


Der Homecomputer Commodore 64 (C64) kam 1982 zu einer Zeit auf den Markt, als selbst der "Personal Computer" (PC) von IBM noch in den Kinderschuhen steckte. Tatsächlich war es damals ein ziemliches Privileg, überhaupt einen Computer zu Hause zu haben. Die Erleichterung des Zugangs zur Computern gilt dabei als das größte Vermächtnis des C64, da sich vor allem Privatanwender zu Hause mit der Bedienung eines Computers auseinandersetzen konnten. Da Videospiele und Homecomputer etwa zur gleichen Zeit aufkamen, boten sie dem Endanwender neue Möglichkeiten, sich mit der Materie auseinander zu setzen.

Die Firma "Commodore" veränderte alles - und ihr Kultprodukt, der Commodore 64, war aus unzähligen Gründen besonders. Hier sind exemplarisch 10 persönliche Gründe, warum der C64 so besonders war.

1. Die Zeit war reif für einen Commodore 64

In den 1970er Jahren durchlief die Computerbranche einen Wandel, die bis dahin in erster Linie auf Geschäftskunden ausgerichtet war. Allerdings rückten nun auch immer mehr die Privatanwender in den Fokus. Die Zeit war reif für ein Unternehmen, das den Markt mit einem innovativen Produkt für die breite Masse im Sturm erobern sollte und genau das hat die Firma "Commodore" getan. Als Unternehmen wie Apple ("Apple I/II/III"), Radio Shack ("TRS-80"), Atari ("Atari 400/800") und IBM ("PC") in den späten 70er und frühen 80er Jahren die ersten Geräte auf den Markt brachten, konnten sich auch Familien zum ersten Mal einen Computer in die eigenen vier Wände stellen.

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Bild: Originalverpackung mit Commodore 64 (Brotkasten), Handbuch, Netzteil, Antennenkabel und Demo-Diskette

Dem Endanwender wurden zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten geboten, z.B. für die Buchhaltung, Textverarbeitung und Videospiele. Als diese Geräte auf den Markt kamen, entwickelte sich die Technologie allerdings rasant weiter, so dass sie immer leistungsfähiger und preiswerter wurden. Angesichts der hohen Kosten der bereits etablierten Computerhardware war auf dem Markt jedoch noch Platz für ein preisgünstige(re)s Gerät, das die steigende Nachfrage befriedigen konnte - dem C64.

2. Der Commodore 64 machte Heimcomputer erschwinglich

Obwohl die Firma "Commodore" bereits seit einigen Jahrzehnten ein etabliertes Technologieunternehmen war, traf ihr Geschäftsführer Jack Tramiel viele Entscheidungen, die zu einer signifikanten Verminderung der Herstellungskosten führten. Darunter auch der Zukauf des Chipherstellers "MOS Technology, Inc". Mit einem eigenen Chiphersteller im Portfolio, konnte die Firma Commodore den C64 preisgünstig produzieren und schaffte es somit, dass der C64 mit mehr als 12,5 Millionen produzierten Exemplaren laut Guinness Buch auch zum meistverkauften Heimcomputer aller Zeiten wurde.

Zum Zeitpunkt der Einführung im September 1982 lag der Einzelhandelspreis des C64 auf dem amerikanischen Markt bei 595 US$. Anfang 1983 zum Startpreis von 1.495 DM (in heutiger Kaufkraft 1.549 €) kam der C64 auch auf den deutschen Markt. Bereits 1983 sank der Preis um mehr als die Hälfte auf 698 DM.

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Bild: Neckermann Katalog 1985, Preise 1985

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Bild: Quelle Katalog 1985, Preise 1985

Dieser Preis beinhaltete allerdings nur den C64 selbst ohne weiteres Zubehör, wie externe Speichergeräte (z.B. eine Datasette oder das 1541-Diskettenlaufwerk) oder einen Monitor. Darüber hinaus fiel der Verkaufspreis des C64 aufgrund sinkender Kosten für Komponenten bis Anfang der 90er Jahre auf rund 200 DM. Somit konnte sich nun ein potentieller Käufer die vormals teuren Laufwerke und Peripheriegeräte gleich mitbestellen.

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Bild: Quelle Katalog 1990, Preise 1990

3. Personal- und Homecomputer wurden zu einem festen Bestandteil eines Haushalts

Nicht lange vor der Einführung des C64 waren noch ganze Rechenzentren die Norm, die oft komplette Etagen großer Organisationen belegten und dabei leicht das Jahresgehalt eines mittleren Managers kosteten. Früher hatten Computer Astronauten in den Weltraum geschickt oder durch Berechnungen geholfen, Krankheiten zu heilen. Doch jetzt konnten sie uns bei den Hausaufgaben helfen und wurden auch Teil unserer Freizeitgestaltung.

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Bild: c64-wiki.de

Da Commodore die schlaue Entscheidung traf, den C64 nicht nur in Elektronikfachgeschäften zu verkaufen, sondern auch in Kaufhäusern und dem Katalogversandhandel, konnten sich somit auch Durchschnittsfamilien einen Computer leisten. Der C64 war der Homecomputer für die breite Masse. In Deutschland wurde der C64 neben den damals großen "Katalog"-Versandhäusern, wie z.B. "Quelle", "Otto" oder "Neckermann" ab 1987 auch im Discounter "ALDI" als zeitlich begrenztes Angebot für 299 DM vertrieben.

Trivia: Das freie RAM bei der Meldung "38911 BASIC BYTES FREE" wurde übrigens tatsächlich berechnet und war kein fester Text. Somit konnte man beim Einschalten erkennen, ob z.B. ein Modul eingesteckt wurde oder RAM defekt ist, da in diesen Fällen entsprechend weniger angezeigt wird.

Modellvarianten des C64 Gehäuses

In seiner Laufbahn hat der C64 sehr viele Mainboardrevisionen (z.B. Assy No. 250466, 250469, 250469, uvm.) durchlaufen und auch das äußere Erscheinungsbild des C64 wurde mit der Zeit etwas "moderisiert".
Da die ursprünglichen Versionen an das Aussehen eines Brotkasten erinnerten, wurden diese Versionen auch ebenso benannt.

Trivia: Die offizielle RAL-Farbe bei den Brotkastenmodellen für das Graubeige lautet übrigens RAL1019.

Modell Beschreibung
Ur-C64 ab 1982 - auch "Silver Label" aufgrund seines silbernen Logos in der graubeigen Form eines Brotkastens, Tastatur wie beim "VC-20"
C64 I ab Mitte 82 - Regenbogenlogo, graubeige Form eines Brotkastens und graue F-Tasten
SX64 ab 1983 - tragbarer C64 mit eingebauter 5-Zoll-Farbbildröhre, einem Diskettenlaufwerk und der Tastatur als Deckel
C64 Gold 1986 - golden lackierter C64 auf einer Acrylplatte anlässlich des einmillionsten verkauften C64 in Deutschland
C64 II/C ab 1985 - flaches moderneres Gehäuse und weißer Tastatur
C64G ab 1987 (G steht für Gameset), hellbeige Form eines Brotkastens, helle Tastatur, einfaches Folienlogo mit Regenbogen
Aldi C64 ab 1988, beige-graue Form eines Brotkastens mit heller Tastatur und metallischem Regenbogen-Logo (nur vom Discounter ALDI vertrieben)

Trivia: Es gibt eine Reihe verschiedenster Sondermodellen, von denen ein kleiner Teil mal im "Computer:Club2" gezeigt wurde:

Youtube: CC2 - Commodore 64 Sondermodelle

4. Der Commodore 64 brachte Familien zusammen

Eine weitere vorausschauende Entscheidung von Commodore bestand auch darin, dass der C64 (statt an einen Monitor) auch an einen Standard-Farbfernseher angeschlossen werden konnte. Dieses Feature war zwar zu der Zeit kein Alleinstellungsmerkmal mehr, allerdings hatte wahrscheinlich diese Entwicklung die unbeabsichtigte Folge, dass Familien im Computerzeitalter so näher zusammengeführt wurden. In den frühen 1980er Jahren war es üblich, dass es nur einen Fernseher im Haushalt gab. Somit war der Fernseher im Wohnzimmer oft der einzige Fernseher im Haus an den man seinen C64 anschließen konnte.

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Bild: Hier wird gerade Wizard Of Wor im Zweispielermodus auf einem schwarz/weiß Fernseher gespielt (mein Kinderzimmer 1988)

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Bild: Wizard of Wor

Dies zwang viele Familien dazu, sich einen Computer zu teilen und gemeinsam zu lernen, wie man ihn benutzt. Da der C64 selbst über zwei Joystickanschlüsse verfügte, bedeutete das Anstecken wenigstens eines Joysticks stundenlanges Videospielvergnügen vor dem Familienfernseher. Das führte zwar zu unzähligen Streitereien unter Geschwistern, bot aber auch die Möglichkeit, dass sich die ganze Familie gemeinsam zum Spielen vor dem Fernseher versammelte. Das bringt uns auch gleich zum nächsten Punkt...

5. Familien erhielten Zugang zu Heimvideospielen

Mit der Einführung des Atari 2600 eroberten Videospielkonsolen die Unterhaltungselektronikszene im Sturm und wurden über mehrere Jahre hinweg zu einem Muss für Millionen von Kindern. Diese Entwicklung machte selbstverständlich auch auf dem C64 nicht halt, aber anders als beim Atari 2600 (in den man nur Cartridges einstecken konnte), hatte man beim C64 die Möglichkeit, die Spiele auch auf Kassette oder Diskette zu bekommen.

Anfangs kostete das separat erhältliche "Commodore 1541" Diskettenlaufwerk ("Floppy") tatsächlich noch mehr als der C64 selbst (siehe Katalogbilder oben). Daher war es bereits bei der Entwicklung des C64 eine kluge Entscheidung einen Anschluss für ein Kassettenlaufwerk ("Datasette") vorzusehen, mit dem eine wesentlich günstigere "Commodore 1530" Datasette angeschlossen werden konnte. Software und Videospiele auf Kassette waren in der Regel immer günstiger zu haben als die Diskettenversion des jeweiligen Titels, jedoch dauerte der Ladevorgang von der Datasette eine gefühlte Ewigkeit.

Eine Kleine Auswahl an bekannten Spielen von 1983 - 2021:


Bild: The Way of the Exploding Fist (1985)

Bild: B.C.'s Quest for Tires (1983)
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Bild: Barbarian (1987)
c64-north-south
Bild: North & South (1991)
c64-dangerfreak
Bild: Danger Freak (1988)
c64-zaxxon
Bild: Zaxxon (1984)
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Bild: Super Mario Bros 64 (2019)
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Bild: Sonic für den C64 (2021)

Neben dem integrierten Datasettenanschluss besaß der C64 auch einen rückseitigen Expansionsport für Steckmodule ("Cartridges") die keine Ladezeiten hatten, da der Titel nach dem Anstecken der Cartridge und dem Einschalten des C64 sofort geladen war. Sehr populär waren Steckmodule wie "Final Cartridge III" oder "Action Replay", die neben eingebauten Schnellladern für das 1541 Diskettenlaufwerk auch über Reset- oder Freeze-Funktionen verfügten.

Grafik und Sound

Durch das Farbspektrums von 16 Farben des VIC-II Grafikchips und einem damals astronomischen Speichers von 64 kB konnten für die Zeit auch anspruchsvolle Spieletitel gezockt werden. Neben der Grafik sind bis heute auch die Soundeigenschaften des C64 dank des SID Soundchips (MOS 6581/8580 ) legendär. Der "SID" gilt babei als "bester Soundchip der 8-Bit-Ära" und findet selbst in der aktuellen Popkultur noch "anklang" durch diverse Musiker, die den typischen SID-Sound (mit den gerne verwendeten Arpeggios) in ihre Stücke integrieren:

Youtube: LukHash - SUPREMACY / OVERLORD (1990)

Durch das C64 "Rundum-Sorglospaket" entfiel für Eltern die Notwendigkeit, Geld sowohl für einen Computer als auch eine Videospielkonsole oder die Spielhalle auszugeben. Man brauchte nur einen oder zwei Joysticks und schon war das Gerät einsatzbereit. Spieletitel für den C64 wurden von vielen Publishern vertrieben, die auch selbst Spiele für den C64 entwickelten oder Spiele von anderen Systemen auf den Commodore portierten. Der C64 erwies sich als perfekter Begleiter für alle Kinder, die in den 1980er Jahren aufwuchsen.

6. Der C64 machte viele Kinder und Jugendliche zum ersten Mal mit Videospielen vertraut

Wie bereits erwähnt, war der C64 für Schlüsselkinder unverzichtbar, um sich die Zeit zu vertreiben, bis die Eltern von der Arbeit nach Hause kamen. Doch viele dieser Kinder hatten außer bei den münzbetriebenen Automatenspielen, die oft in örtlichen Restaurants allgegenwärtig waren, kaum Erfahrung mit Videospielen. Das bedeutete, dass die Kinder nur die Spiele mit den bekanntesten Namen spielten, die von großen Unternehmen herausgegeben wurden, die die Herstellung von teurer Elektronik für die Spieleautomaten in großem Maßstab finanzieren konnten.

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Bild: Auswahl verschiedener C64-Spieletitel, sowohl auf 5,25'' Disketten, Kassetten oder ROM Cartridges (Steckmodule)

Die BBC stellte fest, dass der C64 Kindern ermöglichte, Titel von unabhängigen Publishern zu entdecken und auch Kassetten bzw. Disketten mit Freunden tauschten, um neue unbekannte Titel zu spielen und zu erforschen (ohne dabei mehrere Kinderhände voller Kleingeld in einen Spieleautomaten in einem verrauchten Familienrestaurant zu stecken). In der Ruhe des eigenen Heims konnten sie Action- und Arcade-Spiele, sowie Strategie- und sogar Rollenspiele spielen, bis sie müde wurden oder die Abendnachrichten anfingen und der Fernseher im Wohnzimmer für die Eltern wieder "frei" wurde.

Selbstredend, dass das "Tauschen" und "Kopieren" von C64 Spielen auf dem Schulhof zum "Volkssport" wurde und sich rasch eine eigene C64-Szene der "Cracker" bildete, die immer für frischen Nachschub von kopiergeschützten Spielen sorgte:

Youtube: Raubkopierer C64 / Amiga - "Aktuelle Stunde" vom 20.08.1986

Die Cracker produzierten für die von ihnen gecrackte Spieletitel eigene Vorspannsequenzen (Intros), die den Endanwender darauf aufmerksam machen sollten, wer den Kopierschutz dieses Titel ausgehebelt hat. Außerdem war es auch eine Art "Werbung" und sorgte für Anerkennung in der Cracker-Szene.
Ein bekanntes Intro (Youtube) ist z.B. von der bekannten Gruppe Fairlight.

Aus den Crackern entstand im Lauf der Zeit die sogenannte "Demoszene", die sich darauf konzentrierte, in möglichst kleinen Programmen anspruchsvolle audiovisuelle Sequenzen zu erschaffen und damit die Möglichkeiten des C64 (bis heute) immer weiter an Ihre Grenzen treiben.
Trivia: Die Demoszene ist mittlerweile als immaterielles Kulturerbe in Deutschland und Finnland anerkannt. Außerdem wurde sie als UNESCO-Weltkulturerbe nominiert und versucht als langfristigen Ziel auch aufgenommen zu werden.

Der C64 führte also eine komplette Generation in die digitale Welt ein, die heutzutage zu den Schöpfern und Innovatoren vieler Technologien heranwuchs, die wir tagtäglich nutzen. Auch dafür nimmt er einen besonderen Platz ein.

Wer sich heutzutage einen Überblick über die schieren Massen an Spielen verschaffen will, wird z.B. in der Gamebase64 fündig.

7. Der C64 bot viele Upgrades und Erweiterungsmöglichkeiten

Der C64 wurde zwar nur mit einem Netzteil und einem gedruckten Handbuch ausgeliefert, jedoch gab es schon beim Verkaufsstart zahlreiche Peripheriegeräte und Erweiterungen. Zur Grundausstattung gehörten unter anderem ein Kassettenlaufwerk und Joysticks. Das teure 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk "1541" folgte meist etwas später.

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Bild: Hier führt MacGyver gerade eine Analyse am C64 durch (Staffel 1, Episode 15, "Spitzel aus den eigenen Reihen" ("The Enemy Within"), 1986)

Später gab es auch Beilagen, die von Verlagen wie "Markt&Technik" bzw. "64'er" gesponsert wurden. Ein Faltblatt mit Diskette, die Tools und Spiele enthielt. Bemerkenswerterweise lag das in den 1990'ern einem C64 bei - nicht dem Diskettenlaufwerk. Vermutlich ging man davon aus, dass man sich zu der Zeit dann auch unweigerlich ein Diskettenlaufwerk zum C64 dazu kaufen wird (wofür die beiliegende Diskette ja auch ein Anreiz war). Andererseits ging der Trend auch zu zwei Diskettenlaufwerken, also war es ökonomisch wohl auch ratsamer, diese Diskette dem C64 und nicht jedem Diskettenlaufwerk beizulegen.

Der C64 verfügte über folgende Anschlussmöglichkeiten:

  • zwei Controlports für den Anschluss von Joysticks, Maus oder Paddles,
  • ein Modulsteckplatz ("Expansionsport"), z.B. für Steckmodul-Spiele, RAM-Erweiterungen oder externe Prozessoren am C64,
  • ein RF-Videoausgang/Antennenbuchse,
  • ein Audio-/Video Ausgang (Anschluss eines Monitors und/oder Stereoanlage),
  • ein serieller Bus (Standardanschluss für Diskettenlaufwerke und Drucker),
  • ein Datasettenport,
  • einen Benutzeranschluss ("Userport"), der frei programmierbar war und es unter anderem ermöglichte, Drucker mit dem Centronics-Standard zu verwenden (sofern die Software dies unterstützte).

Es gab auch viele verschiedene Commodore 1541 Diskettenlaufwerke im Lauf der Zeit. Die ersten Versionen hatten das Netzteil noch im Diskettenlaufwerk integriert, was aufgrund der erhöhten Temperaturen zu Überhitzungsproblemen führen konnte. Ab der 1541-II Serie gab es nur noch externe Netzteile.

Darüber hinaus entschieden sich viele Anwender für einen Drucker, den es als Nadeldrucker (z.B. "Seikosha SP-1200 VC"), Tintenstrahldrucker (z.B. "Commodore MPS 1270"), Typenraddrucker (z.B. "Commodore CBM8026"), Unihammerdrucker (z.B. "Commodore MPS-801"), Thermodrucker (z.B. "Commodore MCS-810") oder Plotter (z.B. "Commodore VC-1520") gab.

Ein weiteres interessantes Zusatzgerät ist der Commodore Music Maker, eine Kunststoffschale mit Klaviertasten, die auf die C64 Tastatur gelegt wird, um bei Tastendruck Musik zu erzeugen. Auf einer ROM-Cartridge befand sich eine Musiksoftware, die das Abspielen von Musik mit einem dreistimmigen, vier Oktaven umfassenden Synthesizer ermöglichte.

Commodore bot darüber hinaus auch Mäuse (z.B. "Mouse 1351"), Modems (z.B. "CBM 1670"), Monitore und vieles mehr an, während Drittanbieter Dutzende andere Hardware, wie etwa eine Festplatte ("CMD-HD") oder Anwendungen für den C64 entwickelten. Darunter ein sehr frühes Navigationssystem für Autos. Des Weiteren war es bereits in den 1980er Jahren möglich, mit einem C64 "online" zu gehen. Über die Telefonleitung wählte man sich mit einem Akustikkoppler oder einem Modem in sogenannte Mailboxen ("BBS") oder ins "BTX" ein.

Für die damalige Zeit schienen es, als würden nur der Prozessor und der Arbeitsspeicher der Fantasie Grenzen setzen. Doch der C64 erwies sich als vielseitige und fähige Maschine mit schier endlosen Möglichkeiten für Upgrades.

8. BASIC-Programmierung am C64 war leicht zu erlernen


Bild: giphy.com

Heutzutage ist Programmieren ein aktuelles Thema und ein potenziell lukrativer Berufsweg. Fast alles im modernen Zeitalter nutzt Code, der in Chips und Speicher eingebettet ist, in komplexen, einfachen und alltäglichen Geräten. Aber in den späten 70er und frühen 80er Jahren war Computercode die Domäne der Nerds und Intelligenzbestien. Er war buchstäblich eine Fremdsprache, schwer zu verstehen und in der Populärkultur ziemlich unbekannt. Als jedoch Personalcomputer auf dem Vormarsch waren und immer mehr Kinder und Erwachsene zu Hause, auf der Arbeit oder in der Schule mit Computern in Berührung kamen, wuchs das Bedürfnis und der Wunsch, etwas über Code zu lernen.

Der C64 hatte, wie viele andere zeitgenössische Computer, einen Interpreter für die Programmiersprache BASIC ("Beginners' All-Purpose Symbolic Instruction Code") integriert, das sofort nach dem Einschalten zur Verfügung stand. Menschen auf der ganzen Welt tauchten in eine Welt aus Einsen und Nullen ein, in der Bits und Bytes zum alltäglichen Wortschatz gehörten. Obwohl BASIC eine Computerprogrammiersprache ist und Programme mit einem gewissen Maß an Fachwissen erstellt werden können, müssen die Benutzer die grundlegenden Befehle und die Eingabe von Codezeilen lernen und können damit relativ leicht einfache Programme erstellen.

In vielen Computerzeitschriften jener Zeit wurden oft Programme (sogenannte "Listings") abgedruckt, die Benutzer durch (mühevolles) Abtippen in ihren C64 eingeben konnten, um so ein lauffähiges Programm auszuführen. BASIC wurde während der gesamten Laufzeit des C64 von 1982 bis 1994 in seiner ursprünglichen Fassung beibehalten. Vermutlich ist zu anfangs sehr viel Software erschienen, die direkt in BASIC programmiert wurde. Damit kann der C64 aber nicht ausgereizt werden, weshalb die meisten Programme und Spiele in Assembler geschrieben wurden.

Das wohl einfachste Basic Programm:

10 Print "Hallo Welt"
20 Goto 10

Die wichtigsten Befehle beim Umgang mit dem Diskettenlaufwerk, um z.B. ein Spiel zu laden:

LOAD"*",8 (lädt die erste PRG-Datei vom Diskettenlaufwerk)

oder

LOAD"*",8,1 (lädt ein Programm absolut vom Diskettenlaufwerk, z.B. für Maschinenspracheprogramme erforderlich)

oder

LOAD"$",8 (gibt den Disketteninhaltsverzeichnis nach einem anschließenden LIST aus)

9. Für den C64 gab es jede Menge Softwaretitel

Da der Computer zu einem kostengünstigen Preis auf den Markt kam, bestand ebenfalls große Nachfrage nach Software. Denn was nützt ein Computer ohne Software, die auf ihm läuft? Commodore veröffentlichte eine Fülle von Titeln, die sich an verschiedene Altersgruppen richtete.

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Bild: Quelle Katalog 1986, verschiedene Softwaretitel von "Data Becker"


Bild: https://giphy.com/BR

Während der 12-jährigen Produktionszeit wurden mehr als 25.000 Softwaretitel und Spiele für den C64 geschrieben. Ähnlich wie bei einem modernen App-Store gab es keine Grenzen für die Auswahl an Spielen, die auf dem C64 laufen konnten, obwohl diese Titel in der Regel eine physische Diskette oder eine Kassette benötigten, um in den Speicher geladen zu werden. Commodore-Spiele wurden in Einzelhandels- und Fachgeschäften oft zusammen mit der Hardware verkauft. Die Versandhauskataloge wie der "Quelle-Katalog" trugen hier auch verstärkt zur Verbreitung bei, da sich die Titel gerne aus dem Katalog ausschneiden und auf den Wunschzettel für das Christkind aufkleben ließen.

Ende 1987 erschien mit der "Magic Disk 64" auch das erste Disketten-Magazin für den C64 für 9,80 DM. Das Magazin bestand "nur" aus einer eingeschweißten Umverpackung mit einem Cover - die eigentlichen Artikel und Programme/Spiele waren auf einer beigelegten Diskette gespeichert. Verschiedene aufwändig gestaltete Menüs mit Hintergrundmusik halfen bei der Navigation und der Auswahl der einzelnen Programme.

magic-disk-64

Nach dem Erfolg schienen im CP-Verlag schnell weitere Disketten-Magazine wie "Golden Disk" und "Game On", die insgesamt bis 1996 veröffentlicht wurden.

10. Der C64 wird immer noch von treuen Fans unterstützt

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Bild: forum64.de

Als die Produktion des C64 im Jahr 1994 eingestellt wurde, gab es Millionen von Geräten in Haushalten in aller Welt. Sie waren treue Arbeitstiere, die Berechnungen und Kalkulationen durchführten, Bilder und Töne für Videospiele, digitale Musik, Animationen und vieles mehr wiedergaben. Wenn etwas über ein Jahrzehnt lang in großen Mengen für den Verbrauchermarkt produziert wird, ist es nicht mehr nur eine nützliche Maschine. An diesem Punkt tritt es in die Popkultur ein und wird mehr als die Summe seiner Teile.

Die Fans des C64 sind erwachsen geworden und zu moderneren bzw. leistungsfähigeren Geräten übergegangen, haben aber ihren treuen 64kB-Begleiter nicht vergessen. So haben einige Leute nie aufgehört, ihn zu benutzen, während andere ihn lediglich in den hinteren Teil eines Schranks stellten, wo er heute noch schlummert. Doch nach dem Beginn des neuen Jahrtausends setzte die Sehnsucht nach Nostalgie ein und das Interesse an der älteren Hardware aus dem frühen Computerzeitalter lebte wieder auf.

Im Internet gibt es viele Archive mit C64-Software und C64-Spielen, die täglich von unzähligen Benutzern erweitert werden.
Zusätzlich zur Pflege dieser Webarchive haben einige Enthusiasten den C64 in verschiedenen Formen neu aufgelegt:

Im Internet gibt es auch viele Archive mit C64-Software und C64-Spielen, die täglich von unzähligen Benutzern erweitert werden:

Der C64 hat einen so tiefen Eindruck in der Öffentlichkeit hinterlassen, dass er auch in den kommenden Jahren nicht in Vergessenheit geraten wird.




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