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Windows 98 SE erfolgreich mit AMD Ryzen 1600 CPU in VMware 12.x installieren

Zuletzt geändert: 17.08.2020-  Tags: Windows 98, VMware, VM, Ryzen, VME
windows98_vm_ryzen.png

Alte Betriebssysteme in einer virtuellen Maschine auf aktuellen Systemen zu installieren, gestaltet sich immer schwieriger.
Nach Erscheinen der neuen Ryzen CPUs von AMD wurde bekannt, dass diese einen VME-Bug aufweisen, der verhindert, dass z.B. Betriebssysteme wie Windows 9.x sich in einer virtuellen Maschine (VM) wie VMware Player, VMware Workstation Pro oder VirtualBox nicht mehr fehlerfrei betreiben lassen, siehe hierzu "VME Broken on AMD Ryzen".

Zwar soll dieser Bug über das AGESA Firmware/Bios Update behoben worden sein, allerdings gilt das wohl erst aber der Ryzen 3000er Serie und auch nur für Betriebssysteme in virtuellen Maschinen ab Windows XP.

Windows 9.x in einer VM und Ryzen CPUs der 1000er Serie kommen nicht in den Genuss der Fehlerbehebung.

Anbei eine Anleitung, wie es dennoch funktioniert und Windows 98 SE erfolgreich in VMware betrieben werden kann.


2019 gab es hier schon einen Blogeintrag, der sich mit Windows 98 unter VMware und VirtualBox beschäftigt hat. Auf diesen Eintrag soll im Folgenden aufgebaut werden.

Die Rahmenbedingungen haben sich nun geändert:

  • Hostsystem ist ein Ryzen 1600 mit Windows 10 (1909 bzw. 2004)
  • VMware wird nun statt Version 10.x mit Version 12.5.9 betrieben. Die aktuelle Version 15.x macht es komplett unmöglich, Windows 98 überhaupt zu installieren, da man nicht mehr manuell die "Virtualization Engine" einstellen kann, siehe unten.)

Viele Stellen haben sich schon mit der Problematik Windows 98 + Ryzen CPU schon auseinandergesetzt, sind jedoch nicht zu einer echten lauffähigen Lösung gekommen:

Hier nun eine vollständige Anleitung, wie es gelingen kann:

1. Installation von VMware 12.5.9 (Workstation oder Player)

Download von VMware Workstation 12.5.9 oder
Download von VMware 12.5.9 Player

Falls nach der Installation unter Windows 10 (ab 1903) eine Meldung des Kompatibilitäts-Assistenten erscheint, dass diese VMware Version nicht ausgeführt werden kann:

vmware_compat_app

liegt das am Update KB4517211, welche die VMware Workstation Pro oder Player über die Kompatibilitäts­daten­bank blockiert. (Der Grund dafür liegt wohl an Änderungen von Hyper-V in Windows 10 und Microsoft möchte wohl möglichen Problemen älterer VMware Produkte vorbeugen.)

Ab Windows 10 Version 2004 erscheint noch diese Warnung, die ebenfalls mit dem folgenden Registry-Eintrag beheben lässt:

vmware_12_popup

Beheben lässt sich das Problem mit Einträgen in der Registry, die über einen Schlüssel in "AppCompatFlags" die Sperre wieder deaktivieren:

für VMware Player (VMPLAYER.EXE):

  • Version 12.x: {43edc3a4-e400-4e09-bc67-4e0730eb5590}
  • bis Version 14.1.7: {d22fbced-459b-4cfc-abfc-65e47236ba9b}
  • bis Version 15.0: {66f21bbc-149a-411b-8e11-880af7c1266c}

für VMware Workstation Pro (VMWARE.EXE):

  • Version 12.x: {db4f3aa6-828e-4e0c-a461-efac8dacc1a2}
  • bis Version 14.1.7: {a3a6a13a-50d7-4a62-a5cb-73784b6037f0}
  • bis Version 15.0: {3d9912c3-cb54-4f34-ab71-1d429553bf96}

Um nun die Version von VMware 12.x (Workstation / Player) wieder lauffähig zu bekommen, trägt man folgende Schlüssel in die Registry ein:

Windows Registry Editor Version 5.00
[HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\AppCompatFlags]
"{43edc3a4-e400-4e09-bc67-4e0730eb5590}"=dword:00000077
"{db4f3aa6-828e-4e0c-a461-efac8dacc1a2}"=dword:00000077

 

2. Einrichten der VM für Windows 98 SE

Die Einrichtung der VM für Windows 98 als Gastsystem läuft wie bisher ab. Wenn man eine ISO-Datei der Windows 98 CD-ROM als CD Image angibt, erkennt VMware das Betriebssystem automatisch und setzt berteis gewisse Standardwerte automatisch.

Würde man die VM jetzt schon hochfahren, erscheint sofort der folgende Fehler:

win98_vm_1

Hier schlägt der VME-Bug der Ryzen Prozessoren bereits das erste Mal voll zu.
Um das zu beheben, muss in den Einstellungen -> Prozessoren -> die "Virtualization Engine" manuell auf "Intel VT-x or AMD-V" gesetzt werden.

win98_vm_2

 

3. Installieren von Windows 98 SE

Nun kann die VM gestartet und Windows 98 SE wie gewohnt installiert werden.

Bei der 10-Minuten Marke wird dann folgende Fehlermeldung erscheinen:

 win98_vm_3

Hier schlägt der VME-Bug der Ryzen Prozessoren ein weiteres Mal zu.

Um das zu beheben, muss nun Windows 98 SE im "abgesicherten Modus" gestartet werden.
Das ist möglich, wenn beim Hochfahren des Systems die "STRG"-Taste gedrückt gehalten wird.

win98_vm_4

4. 32-bit Modus für Laufwerke deaktivieren

Im abgesicherten Modus muss jetzt unter Rechtsklick auf "Arbeitsplatz" -> "Eigenschaften" -> Reiter "Leistungsmerkmale" -> Button "Dateisystem" -> Reiter "Problembehandlung" die Option "32-Bit-Datenträgertreiber für den Protected-Modus deaktivieren" temporär aktiviert werden.

win98_vm_5

Anschließend ist ein Neustart notwendig.

Diese Option deaktiviert zeitweise allerdings das CD-ROM Laufwerk. Falls weitere Treiber zur Einrichtung benötigt werden, empfiehlt es sich, diese vorher auf die Festplatte zu kopieren.

5. Windows 98 Installation bis zum Ende fortsetzen

Nach dem Neustart setzt Windows 98 automatisch die Installation problemlos fort und man könnte Windows nun nach dem Ende der Installation eigentlich schon benutzen.

6. 48-bit LBA Korrektur einspielen bzw. Datei "ESDI_506.PDR" ersetzen

Anschließend muss Windows 98 heruntergefahren und im MS-DOS Modus gestartet werden. Am einfachsten geht das mit der bootfähigen Windows 98 SE CD-ROM, wenn man einfach die Option "Computer mit CD-ROM-Unterstützung starten" auswählt.

Hier ist die ISO-Datei die nach dem Hochfahren in den MS-DOS Modus genutzt werden kann:
(Diese beinhaltet lediglich die Datei "ESDI_506.PDR")

Datei
ESDI_506 - 48-bit LBA Korrektur.ISO
Details
icon

Diese ISO-Datei beinhaltet lediglich die Datei "ESDI_506.PDR" (48-bit LBA Korrektur) für Windows 98 SE in Version 4.10.2230.

Die Datei kann bei der Installation von Windows 98 SE in einer VM in Verbindung mit einer Ryzen CPU genutzt werden.

Größe
76 KB
Dateiname
ESDI_506 - 48-bit LBA Korrektur.ISO
Download

Anschließend kann die ISO-Datei gewechselt werden und man kann die Datei "ESDI_506.PDR" unter "C:\WINDOWS\SYSTEM\IOSUBSYS" ersetzen.

 

win98_vm_6

7. 32-bit Modus für Laufwerke wieder aktivieren

Nachdem die Datei "ESDI_506.PDR" ersetzt wurde, muss erneut neu gestartet werden. Jetzt kann die Option "32-Bit-Datenträgertreiber für den Protected-Modus deaktivieren" wieder abgewählt werden.

Somit steht auch nach dem Neustart wieder das CD-ROM Laufwerk zur Verfügung.

win98_vm_7

8. SUCCESS ;-)

Jetzt kann Windows 98 SE wie gewohnt genutzt werden und man hat den VME-Bug der Ryzen Prozessoren erfolgreich umschifft.




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